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NUSQUAM macht Schluß

Ja, es stimmt schon. Hier hat sich lange nichts getan. Das hat nun aber nicht etwa mit nachlassendem Interesse zu tun, sondern mit einem Denkprozeß, für den ich mir etwas Zeit gelassen habe.

Diesen Blog gibt es nun seit fast zwei Jahren – Zeit zu überlegen, was hier getan wurde, was aber auch das „Projekt“ mit mir getan hat. Ursprünglich ging es darum, gut überlegte Texte zu den Dingen der Welt zu verfassen. Ganz sicher sind einige entstanden, die es Wert sind, auch noch in einiger Zeit gelesen zu werden. Das ist allerdings – leider – die Ausnahme.

NUSQUAM hat sich nämlich Schritt für Schritt zu etwas entwickelt, was es nie sein sollte – einer Sammlung von Kommentaren zur Tagespolitik. Das war zwar  immer eine gute Gelegenheit, angestaute Wut loszuwerden, hatte aber in vielen Fällen wenig Erkenntniswert. Irgendwo las ich neulich, der Kommentar sei in der Publizistik „die billigste Währung“. Ich bin zur Zeit geneigt zuzustimmen.

So wie der politische Teil des Netzes sich nämlich entwickelt, bewegt sich alles hin zu einer gigantischen Pöbelecke. NUSQUAM muß kein Teil davon sein.

Dabei ist das noch nicht einmal das Schlimmste. Mich beschlich um die Osterzeit das Gefühl, zu allen Themen alles Wesentliche gesagt zu haben. Jedes weitere Wort schien nur noch eine öde Wiederholung zu sein. Was soll man auch noch zum Euro, zur Islamisierung dieses Landes und zu Wohlfahrtsterror des deutschen Sozialstaates sagen? Das Grundsätzliche ist aufgeschrieben, die Position gefunden. Alles Weitere wäre nicht einmal mehr eine Variante.

Der schleichende Einzug der Tagespolitik hatte eine weitere Folge: Da ich eine lange Zeit fast täglich etwas geschrieben habe, blieb für Texte, die durchdacht werden wollen, keine Zeit. Darüber hinaus fielen Themen weg, die mir ebenso wichtig sind, wie es die Tagespolitik ist. Um es kurz zu machen: Die Tagespolitik hat NUSQUAM in eine Richtung treiben lassen, die so nicht vorgesehen war.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß es hier viele Leser gab. Das war fein, führte aber auch gleichzeitig zu weiterem Streß. An manchen Tagen beobachtete ich so intensiv die Zugriffe, daß die parallel entstandenen Texte einfach nur Müll wurden. Teilweise verkniff ich mir Themen, da ich wußte, daß bestimmte Dinge eben nur wenige Leute interessieren. Dabei geht es doch hier um nichts – zumindest nicht um Geld – und trotzdem entwickelte sich bei mir ein regelrechter Auflagenstreß.

Aus allen diesen Gründen werde ich auf NUSQUAM keine weiteren Texte verfassen.

Was da ist, bleibt vorläufig online. Kommentare sind weiter möglich. Vielleicht gibt es ja die Chance, irgendwann NUSQUAM als tagespolitisches, konservatives Projekt weiterzuführen. Allerdings nicht als Einzelkämpfer. Hier müßte eine Gruppe mit ähnlichen Einstellungen zusammenarbeiten. Das würde Erschöpfung vermeiden, Vielfalt vergrößern und weit mehr Relevanz schaffen.

Ich werde an anderer Stelle weiterschreiben. Auch über Politik, aber keinesfalls mehr über Tagespolitik. Es wird darüber hinaus um Wissenschaft, Literatur (endlich wieder) Metapolitik und die Jagd gehen. Aber langsam, ohne inneren Zwang, ohne einen einzigen Blick auf die Zugriffe.

Frei eben.

Und dann noch dies: Seit dem vergangenen Jahr empfinde ich die Kultur des anonymen Schreibens im Internet zunehmend als hinterhältig. Die Konsequenz: Auf vom Nirgendwo an einen konkreten Ort! Aus diesem Grund wird das neue Blog ein Gesicht haben. Mein Gesicht.

Wer mitlesen möchte, der schreibe mir ein Mail ( nusquam@nusquam.de ), auf daß ich ihm die URL zusende.

Das war’s für diesmal.

NUSQUAM

3 Kommentare

  1. fnord schrieb:

    Danke für die bisweilen sehr guten Texte. Bitte lassen Sie mir die neue Adresse zukommen, gerne lese ich weiterhin mit.

    Freitag, 25. Mai 2012 um 14:24 | Permalink
  2. B. TRENAK schrieb:

    Ihre Texte waren oft sehr gut und immer bedenkenswert, wenn ich auch manchmal mit Ihren Ansichten absolut nicht einverstanden war. Aber summa summarum: Ich habe einiges gelernt.
    Viel Glück weiterhin!

    Dienstag, 29. Mai 2012 um 17:20 | Permalink
  3. Nur Beitrage abzusenden und Kommentare freizuschalten ist zuwenig. Es muß auch immer noch ein zweiter oder dritter Schreiber dazukommen. Wir begreifen unseren Auftritt in der Kombination mit Twitter als Ergänzung für unseren Gesprächskreis, der auch Wirkung bei den örtlichen Parteien und Zeitungen zeigt. Wegen der Themensetzung haben wir uns aber auch schon eine Menge von Gegnern eingehandelt. Es geht mittlerweile soweit, daß das örtliche politische Milieu Gastwirte unter Druck setzt, uns keine Räumlichkeiten mehr zur Verfügung zu stellen. Das bestätigt uns und deshalb geben wir nicht auf. Einen Blog zur erstellen darf eben kein Selbstzweck sondern auch nur Mittel zum Zweck sein. Mittlerweile bewegen wir uns in einem kleinen Netzwerk von Bloggern. Auch die öffentliche Befragung von Politiker ist eines unserer Handwerkszeuge. Dazu ist das Internet hervorragend geeignet.
    Nicht umsonst haben wir als Symbol für unser Handeln die Bremer Stadtmusikanten gewählt. Auch in “aussichtsloser” Lage nicht aufgeben. Wir wär’s mit einem Gesprächskreis, eine handvoll Leute wird man doch zusammenbringen.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/

    Mittwoch, 30. Mai 2012 um 18:00 | Permalink
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